Der Stand in Deutschland
Google hat die KI-Übersichten 2025 auf den deutschen Markt ausgerollt. Auswertungen verschiedener Sichtbarkeitsanbieter kommen für Deutschland auf eine Auslöserate in der Größenordnung von etwa 10 bis 25 Prozent aller Suchanfragen – mit erheblichen Unterschieden je nach Datensatz, Branche und Messzeitpunkt. Der Trend zeigt nach oben, aber langsamer, als es die Schlagzeilen nahelegen.
Die Spannbreite erklärt sich vor allem durch die Zusammensetzung der untersuchten Keywords: Wer viele Frage- und Ratgeberbegriffe misst, kommt auf hohe Werte. Wer ein typisches Keyword-Set eines lokalen Dienstleisters misst – Leistung plus Ort, Marke plus Ort, „in meiner Nähe“ –, kommt auf deutlich niedrigere.
Wann eine KI-Übersicht erscheint
Ein klares Muster ist erkennbar. KI-Übersichten erscheinen bevorzugt dort, wo eine erklärende Antwort möglich ist und kein unmittelbares Transaktions- oder Ortsinteresse dahintersteht:
- Häufig: „Wie funktioniert…“, „Was kostet…“, „Unterschied zwischen…“, „Warum…“ – erklärungsbedürftige Themen
- Häufig: Vergleiche und Definitionsfragen ohne konkreten Anbieterbezug
- Selten: Suchen mit klarer Kaufabsicht und Anbieterwahl
- Selten: Suchen mit Ortsbezug, bei denen das Local Pack die Antwort ist
- Kaum: Markensuchen und Navigationsanfragen
- Zurückhaltend: sensible Themen aus Gesundheit, Recht und Finanzen – hier ist Google erkennbar vorsichtig
Praktische Konsequenz
Was mit den Klicks passiert
Wo eine KI-Übersicht steht, rutschen die organischen Treffer nach unten und ein Teil der Nutzer bekommt die Antwort, ohne zu klicken. Unabhängige Auswertungen aus 2024 und 2025 zeigen für betroffene Suchanfragen Rückgänge der Klickrate in der Größenordnung von einem Drittel bis zur Hälfte – am stärksten bei rein informationellen Anfragen, am schwächsten dort, wo Nutzer ohnehin einen Anbieter suchen.
- Am stärksten betroffen: Ratgeber- und Definitionsseiten am Anfang des Entscheidungsprozesses
- Deutlich betroffen: Vergleichs- und Kostenübersichten ohne konkreten Anbieterbezug
- Kaum betroffen: Leistungs- und Kontaktseiten, die eine Handlung ermöglichen
- Nicht betroffen: Markensuchen nach Ihrem Firmennamen
- Sonderfall: Seiten, die als Quelle in der KI-Übersicht verlinkt werden – sie verlieren Klicks langsamer, weil sie sichtbar bleiben
Für die Praxis wichtiger als die genaue Zahl ist die Struktur des Verlusts: Es sinken vor allem die Klicks auf Ratgeberinhalte am oberen Ende des Entscheidungsprozesses. Die Besucher, die auf einer Leistungsseite landen und anrufen, bleiben weitgehend erhalten. Wer sein Reporting bisher auf Gesamt-Sessions ausgerichtet hat, sieht ein dramatisches Bild – wer auf Anfragen schaut, ein ruhiges.
Lokale Suchen: die gute Nachricht
Bei „Elektriker Dortmund“ oder „Zahnarzt in der Nähe“ liefert Google weiterhin das Kartenmodul mit drei Einträgen, Bewertungen, Öffnungszeiten und Anruf-Button. Diese Darstellung beantwortet die Suchabsicht besser als jeder erzeugte Text – und sie ist für Google auch geschäftlich attraktiver. Wo doch eine KI-Antwort erscheint, greift sie in der Regel auf dieselben Quellen zurück: Unternehmensprofile, Bewertungen, Anbieterwebsites.
Daraus folgt eine unspektakuläre, aber belastbare Prioritätenliste: Unternehmensprofil vor Website-Technik vor Ratgebercontent. Wer das Profil vernachlässigt, verliert an der Stelle, an der die Kaufentscheidung tatsächlich fällt.
Sieben konkrete Maßnahmen
- Antwort nach vorn: Jede Seite beginnt mit zwei bis drei Sätzen, die die Titelfrage direkt beantworten. Danach die Tiefe.
- Abschnitte in Frageform mit eigener Überschrift – so lassen sich Passagen isoliert zitieren.
- Eigene Daten ergänzen: Preisspannen, Bearbeitungszeiten, Erfahrungswerte aus echten Projekten. Zitiert wird, was nirgends sonst steht.
- Ratgeberseiten, die reine Definitionen liefern, zusammenlegen oder um beratende Inhalte erweitern.
- Kaufnahe Seiten stärken: Leistung, Region, Ablauf, Preisrahmen, Ansprechpartner, klarer nächster Schritt.
- Strukturierte Daten für Organisation, Leistungen und FAQ ergänzen, damit der Kontext maschinell eindeutig ist.
- Marke aufbauen: Wer namentlich gesucht wird, ist von jeder Darstellungsänderung weniger abhängig.
Auswirkungen messen
Die Search Console weist KI-Übersichten nicht separat aus; Klicks und Impressionen daraus laufen im normalen Websuche-Bericht mit. Das Muster ist trotzdem erkennbar: Impressionen stabil oder steigend, Klicks fallend, durchschnittliche Position leicht schlechter – das ist die typische Signatur. Ergänzen Sie den Blick um zwei Kennzahlen, die zählen: Anfragen über Formular und Anrufe. Wenn die stabil bleiben, ist Ihr Geschäft nicht betroffen, egal was die Klickkurve sagt.
Fazit
KI-Übersichten kosten Reichweite bei erklärenden Themen und lassen kaufnahe Suchen bislang weitgehend unberührt. Die richtige Reaktion ist keine Panik-Strategie, sondern eine Verschiebung des Schwerpunkts: weniger Content, der Bekanntes zusammenfasst, mehr Substanz, die zitiert werden kann, und ein Unternehmensprofil, das im Local Pack gewinnt. Wie Ihre Marke in KI-Antworten aktuell auftaucht, klären wir unter KI-Sichtbarkeit.

