Die drei Metriken und ihre Grenzwerte
- Largest Contentful Paint (LCP): Zeit bis das größte sichtbare Element geladen ist. Gut bis 2,5 Sekunden, schlecht ab 4 Sekunden.
- Interaction to Next Paint (INP): Verzögerung zwischen Nutzeraktion und sichtbarer Reaktion. Gut bis 200 Millisekunden, schlecht ab 500 Millisekunden.
- Cumulative Layout Shift (CLS): Summe unerwarteter Layoutverschiebungen. Gut bis 0,1, schlecht ab 0,25.
INP hat im März 2024 die frühere Metrik First Input Delay abgelöst. Der Unterschied ist wesentlich: FID maß nur die Verzögerung bis zum Beginn der Verarbeitung der ersten Interaktion. INP betrachtet alle Interaktionen einer Sitzung und misst bis zur sichtbaren Reaktion. Viele Seiten, die bei FID grün waren, fallen bei INP durch – das ist kein Fehler, sondern eine ehrlichere Messung.
LCP: Wann wird es sichtbar?
Das größte Element im sichtbaren Bereich ist bei den meisten Websites das Hero-Bild oder die Hauptüberschrift. Ein schlechter LCP hat fast immer eine von vier Ursachen:
- Langsame Serverantwort. Wenn das erste Byte nach 800 Millisekunden kommt, sind zwei Drittel des Budgets weg. Caching und ein besseres Hosting-Paket lösen das.
- Zu großes Hero-Bild. Modernes Format, richtige Abmessungen, Priorität beim Laden – und keine Lazy-Loading-Markierung auf dem Bild, das sofort sichtbar ist.
- Blockierende Ressourcen im head: große CSS-Dateien, synchron geladene Skripte, Webfonts von fremden Servern.
- Inhalt, der erst per JavaScript nachgeladen wird. Wichtige Inhalte gehören ins ausgelieferte HTML.
INP: Reagiert die Seite?
INP ist die Metrik, an der Baukasten- und Plugin-Websites regelmäßig scheitern. Ursache ist immer dasselbe Grundproblem: Der Haupt-Thread des Browsers ist mit JavaScript beschäftigt und kann deshalb nicht auf den Klick reagieren. Der Nutzer tippt auf „Menü“ und nichts passiert – für 400 Millisekunden.
- Anzahl der Skripte reduzieren: jedes Plugin, jedes Tracking-Tool, jedes Widget kostet Reaktionszeit
- Nicht kritische Skripte verzögert laden (defer) oder erst bei Bedarf nachladen
- Lange Aufgaben aufteilen, damit der Browser zwischendurch auf Eingaben reagieren kann
- Animationen über CSS statt JavaScript umsetzen
- Aufwendige Elemente – Karten, Chats, Video-Einbettungen – erst nach Interaktion aktivieren
- Cookie-Banner prüfen: Sie laufen früh, blockieren oft massiv und werden fast immer angeklickt
Wo INP am ehesten weh tut
CLS: Springt das Layout?
Jeder kennt es: Man will auf einen Link tippen, im selben Moment lädt ein Banner nach, alles rutscht nach unten, und man landet auf der Werbung. CLS misst genau diese Verschiebungen. Die Ursachen sind überschaubar und leicht zu beheben:
- Bilder und Videos ohne Breiten- und Höhenangabe – der Browser reserviert keinen Platz
- Nachträglich eingeblendete Banner, Hinweise und Cookie-Leisten, die Inhalt verschieben statt zu überlagern
- Webfonts, deren Ersatzschrift andere Maße hat, sodass Text beim Tausch umbricht
- Nachgeladene Inhalte wie Bewertungs-Slider oder Anzeigen ohne reservierten Bereich
- Iframes ohne feste Höhe
Feld- statt Labordaten
Google bewertet die Core Web Vitals anhand echter Nutzerdaten aus dem Chrome User Experience Report, über ein rollierendes 28-Tage-Fenster und am 75. Perzentil. Das bedeutet: Drei von vier Seitenaufrufen müssen den Grenzwert einhalten. Der Wert wird getrennt für Mobil und Desktop erhoben.
Zwei Konsequenzen für die Praxis. Erstens: Nach einer Optimierung dauert es bis zu vier Wochen, bis sich die Bewertung ändert – das ist kein Zeichen, dass die Maßnahme nicht gewirkt hat. Zweitens: Ein guter Lighthouse-Score ist keine Garantie, weil er auf einem simulierten Gerät entsteht. Ihre Besucher haben ältere Handys und schlechteres Netz.
Prioritäten setzen
- Search-Console-Bericht öffnen und feststellen, welche URL-Gruppe betroffen ist – meist trifft es Seitentypen, nicht Einzelseiten.
- Mobil zuerst. Desktop ist fast immer unkritisch.
- Bilder und Drittanbieter-Skripte angehen – sie erklären in der Praxis die Mehrheit aller Probleme.
- Erst danach über Templates, Framework-Wechsel oder Relaunch nachdenken.
- Nach vier Wochen erneut messen und die Wirkung dokumentieren.
Fazit
Core Web Vitals sind kein Selbstzweck und kein dominanter Rankingfaktor. Sie sind eine gute Näherung dafür, ob Ihre Website sich schnell und stabil anfühlt – und das entscheidet über Absprünge und Anfragen. Wer die genannten Punkte abarbeitet, ist in aller Regel im grünen Bereich. Wie wir Performance in Projekten von Anfang an mitdenken, steht unter Webdesign.

